Nr. 30 / 27. Juli 2010 / 42. Jahrgang  
  
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Reinbek. Liebevoll kümmert sich Christiane Schwarz um die Bedürfnisse der werdenden Mütter, die sich bereits vor der Geburt über die Kreißsäle des Krankenhauses St. Adolf-Stift informieren können.
Foto: GS
Im Porträt: Christiane Schwarz - leitende Hebamme im St. Adolf-Stift
"Jede Geburt ist ein schönes Erlebnis"
Reinbek (hap) - Ein starkes Nervenkostüm gehört sozusagen zum Handwerkszeug. Nicht jede Mitarbeiterin der Geburtshilfe erträgt das lautstarke Wehklagen, das den Geburtsvorgang bekanntermaßen oft begleitet. Christiane Schwarz kann damit leben. Die 49-Jährige ist leitende Hebamme im Krankenhaus St. Adolf-Stift. Mehr als 1.000 kleinen Erdenbürgern hat sie dort bereits auf die Welt geholfen. "Das wird nie zur Routine", sagt die gebürtige Stralsunderin, die seit 1997 am Reinbeker Krankenhaus arbeitet. Sie begleitet die werdenden Mütter - und Väter - häufig wochenlang, lernt dabei besonders die Frauen so nah kennen wie kaum andere fremde Personen. Sie erlebt hautnah die Freuden, aber auch die Probleme während der Schwangerschaften und hilft den werdenden Müttern, wo sie nur kann.
Ein ganzes Team von hoch qualifizierten Hebammen steht in der Geburtshilfe des Krankenhauses St. Adolf-Stift bereit, um Schwangere zu betreuen. Elf Hebammen arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Dabei bietet die Geburtshilfe-Abteilung der Klinik ein Ambiente, das mit den steril gekachelten Kreißsälen vergangener Jahrzehnte nichts mehr gemein hat.
Drei Kreißsäle, in warmen Farbtönen unterschiedlich gestaltet, stehen zur Verfügung. So genannte Entbindungslandschaften, auf denen sich die werdenden Mütter betten, bieten nahezu jeden Komfort und erleichtern Hebammen sowie Ärzten die Arbeit. Selbstverständlich ist auch eine Gebärwanne vorhanden, wenn Schwangere eine Wassergeburt wünschen. Technische Geräte und Apparaturen, die bei plötzlich auftretenden medizinischen Problemen wertvolle Hilfe leisten, sind dezent verdeckt.
In einem separaten Wellness-Bad finden schwangere Frauen, die mitunter mehrere Stunden auf die Niederkunft warten müssen, sanfte Entspannung. Darüber hinaus gibt es ein Familienzimmer, in dem bei Bedarf auch werdende Väter die Wartezeit bis zum Beginn der Geburt an der Seite ihrer Frauen überbrücken können.
Die Geburtshilfe-Abteilung des Krankenhauses war im vergangenen Jahr auch unter der fachkundigen Beteiligung von Christiane Schwarz nach modernsten Gesichtspunkten neu gestaltet worden. Zugleich wurde das Prinzip der integrierten Wochenbettpflege eingeführt: Die Hebammen des Kreißsaals und die Krankenschwestern der benachbarten Mutter-Kind-Station arbeiten eng zusammen.
Christiane Schwarz engagierte sich im Hause zudem bei der Organisation des Projektes "Babyklappe". Sie baute die so genannte Elternschule am St. Adolf-Stift mit auf, in der werdende Mütter und Väter für die Geburt ebenso vorbereitet werden wie für die anschließende Pflege ihrer Babys, den einfühlsamen Umgang mit Geschwisterkindern und sich auch Großeltern auf ihr neues Leben mit Enkelkindern vorbereiten können.
Im Mittelpunkt der Arbeit bleiben aber die Frauen, die im Reinbeker Krankenhaus oft ihr erstes Kind zur Welt bringen und dabei nicht selten mit Ängsten oder körperlichen Problemen konfrontiert sind. Ihnen kann Christiane Schwarz zum Beispiel auch mit Akupunktur helfen, seitdem sie vor eineinhalb Jahren eine entsprechende Weiterbildung absolviert hat. "Frauen, die zum Beispiel unter Übelkeit oder anderen Beschwerden leiden, können damit erfolgreich behandelt werden", weiß Schwarz.
Ihr ist es vor allem wichtig, den jungen Frauen in den schweren Stunden vor und während der Geburt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Sie kennt die flehenden, hilflosen Blicke der werdenden Mütter, wenn die Abstände zwischen den Wehen immer kürzer werden. Christiane Schwarz kennt die Situation nur zu gut, ist sie doch selbst Mutter einer 15-jährigen Tochter. Und sie erträgt nicht nur den seelischen Druck, unter dem sie als Hebamme selbst im Kreißsaal immer wieder steht, sondern sie macht den jungen Frauen auf liebevolle Art immer Mut.
Geprägt wurde sie durch ein Erlebnis als 20-Jährige: Die frisch gebackene Hebamme, damals noch in Stralsund, hatte sich den Fuß gebrochen und musste monatelang zu Hause ausharren. Sie litt damals unter fehlender Zuwendung. "Da fragte mich meine Mutter: ,Streichelst du eigentlich auch mal die schwangeren Frauen, wenn sie leiden?'", erzählt Christiane Schwarz. Sie antwortete wahrheitsgemäß: "Nein, wieso?" Diese eigene Erfahrung öffnete ihr die Augen dafür, dass auch Schwangere besondere Zuwendung brauchen. "Wir geben unseren werdenden Müttern Ruhe und Sicherheit", lautet ihr Credo seitdem.
Für Christiane Schwarz ist jede Geburt "immer wieder ein schönes Erlebnis", wie sie gesteht. Und leise fügt sie hinzu: "Ich heule auch heute noch bei mancher Geburt."



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